Geschichte / Giessgefäss in Gestalt eines Straussenvogels

Giessgefäss in Gestalt eines Straussenvogels

"Giessgefäss in Form eines Straussenvogels"

Der vollplastisch gearbeitete Körper mit beweglichen Flügeln und am Halsansatz abnehmbarem Kopfstück steht auf einem gewölbten Rundsockel mit Pflanzen- und Steinmotiven. Zwischen den Füssen des Strausses ist eine gegossene Eidechse in Miniaturformat appliziert. Gefässe in Form von Tieren und Fabelwesen aller Art wie Adler, Bär, Einhorn, Eule, Fisch, Greif, Hirsch, Hahn, Hund, Löwe, Luchs, Pferd, Schwan, Steinbock, Strauss, Stier, Taube, Widder oder Wildschwein erfreuten sich seit dem 16. und besonders im 17. Jahrhundert im deutschen Sprachraum grosser Beliebtheit. Als Schaustücke bewundert in privaten Kunstkammern und den Silberschätzen von Städten und Zünften, gehören sie zu den spektakulärsten Erzeugnissen der Goldschmiedekunst des Barocks. Den Strauss und seine Eigenschaften beschrieb bereits Aristoteles im 4. Jahrhundert vor Christus. Im 2. oder 3. Jahrhundert dichtete der Physiologus - in seinem Bestreben, den Vogel und seine Eigenschaften christlich zu deuten – diesem unter anderem die Eigenschaft zu, dass er seine Eier durch den eigenen Blick und Atem ausbrüten könne. Damit wird der Bezug zu Jesus hergestellt. Im Jahr 1562 erschien in Venedig ein illustrierter Band des Malers Battista Pittoni, welcher Wahlsprüche für Fürsten dieser Epoche vorstellte. Das Motto zum Bild eines mit einem Hufeisen im Schnabel dargestellten Strausses lautet "spiritus durissima coquit": Der Vogel vermag mit seinem heissen Atem Eisen zu schmelzen. Die Standhaftigkeit zeichnet den Herrschenden aus. Diesen Gedanken greift der Nürnberger Arzt und Botaniker Joachim Camerarius der Jüngere in seinem zwischen 1595 und 1605 erschienenen vierbändigen Werk "Symbola et emblemata" auf und erweitert ihn mit dem Motto "sic nuritur fortes": Selbst aus widrigen Umständen zieht der Starke Nutzen. Damit erfährt auch der religiöse Aspekt eine grössere Gewichtung. Denn Standhaftigkeit und Duldsamkeit des Starken und Gerechten gereichen im Glauben wie auch in der Politik zur Tugend.

Herkunft: Europa, Deutschland, Augsburg
Datierung: um 1624-1628
Hersteller(in): Meister Hieronymus Imhof (?-1635)
Material: Silber vergoldet gegossen, getrieben, graviert
Masse: T 32,5 cm
Inventarnummer: G 17592

Provenienz:
- 31.12.1968: Giovanni Züst (1887-1976 ), Schenkung
- Kulturmuseum St. Gallen

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