Ethnologie / Prozessionsfigur, Tier - Mensch Gottheit Tempel Trias
In der hinduistischen Mythologie sind neben den Göttern in menschlicher Form auch zahlreiche tierische Gestalten (vahana) anzutreffen. Sie dienen beispielsweise als Reittiere, als Begleiter oder einfach als symbolisches Erkennungszeichen einer Gottheit. Bei südindischen Tempelfesten werden sie häufig in Form von Holzskulpturen verehrt. In ihrer Funktion und ihrem Aussehen ähneln diese Skulpturen in vielerlei Hinsicht europäischen Karussellfiguren aus Holz. Es sind handgeschnitzte, reichverzierte Wesen, die als Reittiere bei grossen Volksfesten gesehen und erlebt werden können. Im Gegensatz zu europäischen Karusselfiguren sind vahana aber Teil eines kosmischen Fests, an dem Götter teilnehmen und in Prozessionen durch ein Dorf gezogen werden. Sowohl die Grösse der Figuren als auch das Material und die Art ihrer Bemalung widersprechen unserer naturalistischen visuellen Vorstellung – die Tiere wirken unwirklich und scheinen aus einer anderen Welt zu stammen. Kamadhenu ist die himmlische Kuhgöttin; sie besitzt den Kopf und die Brust eines Menschen, Flügel und Schwanz eines Pfaus und den Körper einer Kuh. Geboren wurde sie bei der «Quirlung des Ozeans» (Entstehung der Welt) und hat die Gabe, alle Wünsche der Menschen zu erfüllen. Bei Prozessionen wird sie häufig zusammen mit Shiva oder seiner geliebten Frau Parvati gezeigt und verehrt. Das Stück ist Teil einer grösseren Schenkung von indischen Skulpturen aus der Kunstsammlung des Unternehmerpaares Erika und Otto Stadler aus St.Gallen und kam 2014 in den Bestand unseres Museums. jfe
Herkunft: Asien, Indien, Südindien
Datierung: um 1900
Material: Holz, bemalte Textilbespannung
Masse: H 145 x B 143 x T 85 cm
Inventarnummer: VK
2014.255
Provenienz:
- 16.12.2014: Otto und Erika Stadler, Schenkung 2014
- Kulturmuseum St. Gallen