Geschichte / Säuglingsflasche mit Zubehör zum Abpumpen
Als Apollonia Frida Anna Kaiser, später verheiratete Imboden, 1877 auf die Welt kam, war die Kindersterblichkeit sehr hoch.
Auch ihre Familie verlor drei der fünf Kinder, was der Mutter die ganze Lebensfreude nahm.
Dies trug dazu bei, dass Frida Ärztin werden wollte, für Mädchen damals ein aussergewöhnlicher Wunsch.
Ihr Vater ermunterte sie, in die Kantonsschule St.Gallen einzutreten.
Er war von 1876 bis 1891 Rektor dieser Schule und ermöglichte Frauen erstmals den Zugang zum Gymnasium.
Da sie die einzige Schülerin gewesen wäre, bat sie zwei Freundinnen, sich mit ihr anzumelden.
Nach der Matura 1898 folgte das Medizinstudium in Genf und Bern. 1907 eröffnete sie in St.Gallen eine Praxis und gründete zwei Jahre später das Säuglingsheim, Vorgänger des Ostschweizer Kinderspitals.
Ihr grosses Anliegen war die Senkung der Säuglingssterblichkeit mit Stillberatungen, Säuglingspflegekursen und einer Milchküche für die Zubereitung einer geeigneten Ersatzmilch.
Als die Ärztin ein Auto für die Auslieferung der Milch suchte, schenkte ihr der Stickereiindustrielle Leopold Iklé 1000 Franken und riet ihr, den Automobilfabrikanten Adolf Saurer um eine Occasion zu bitten.
Dieser meinte: «Ich könnte in meiner Firma noch gut drei Ingenieure brauchen, die so viel Initiative und Arbeitsfreude einsetzen könnten wie Sie.»
Frida Imboden-Kaiser steht für das bemerkenswerte soziale Engagement vieler St.Gallerinnen, auch im medizinischen Bereich.
Bereits 1838 wurde der «Weibliche Krankenverein» gegründet. 1862 entstand der «Verein zur Unterstützung armer Wöchnerinnen», der 1943 die «Beratungsstelle für werdende Mütter» ins Leben rief.
Letztere war neben dem Säuglingsheim von Frida Imboden-Kaiser eine Vorläuferin der heutigen Beratungsstellen für werdende Eltern und junge Familien.
mm
Herkunft: Europa, Schweiz, Hergiswil
Datierung: Mitte 20. Jh.
Künstler(in), Entwerfer(in): Frida Imboden-Kaiser
Material: Glas mundgeblasen, bedruckt; Kautschuk
Masse: H 21,5 DM 5,5 cm
Inventarnummer: G 2012.175
Provenienz:
- 14.06.2012: Hebammenschule St. Gallen, Schenkung
- Kulturmuseum St. Gallen