Ethnologie / Buchu-Büchse, Schildkrötenpanzer
aus einem Brief von Gustav Jacobs an Dr.
Krucker (damaliger Konservator im HVM) vom 20.
August 1949:
"Buchu ist ein braunes stark riechendes Pulver, das wegen seines aromatischen Geruches als Kosmetikum von Frauen viel benutzt wird.
Es wird aus Bestandteilen verschiedener Kräuter und Wurzeln, teils einzeln, teils gemischt, je nach Geschmack hergestellt.
Hauptbestandteil sind die Blätter gewisser Mesembrianthum Arten, ferner die Wurzeln verschiedener Sträucher (Cyperus Arten) ausserdem, wenn erhältlich, gewisse auf Steinen wachsende kleine Flechten (Parmelia) und endlich die Sporen eines gewissen Pilzes.
diese Ingredienzen werden getrocknet, über dem Feuer geröstet und auf Steinen pulverisiert.
Aufbewahrt wird das Pulver in kleinen Schildkrötenschalen, deren Öffnungen mit einem Pflanzenharz verklebt werden.
Als Verschluss und Puderquaste dient ein Stück weiches Schakalenfell.
Die Schalen werden durch ein Loch an einem kleinen Riemen um den Hals oder im Gürtel getragen.
Buchupulver wird vilefach auch als Räuchermittel verwendet.
Das Pulver wird auf heissen Steinen erhitzt, der entstehende Rauch dringt dann in die Kleidung der über den heissen Stein kauernden Frau.
Sie sehen, Buchupulver ist seiner Zusammensetzung und Verwendung nach eine sehr vielseitige und complicierte Angelegenheit
Im Gegensatz zum Buchupulver, das nur des Wohlgeruches halber verwendet wird, diest das Einreiben mit Fett nur praktischen Zwecken.
Es soll die Haut geschmeidig halten und gegen äussere Einflüsse und Schädlichkeiten schützen.
Als Fett wird mit Vorliebe das Fett aus dem Schwanze des Fettschwanzschafes verwendet, das wiecher ist als das von Rind und Ziege.
Die Aufbewahrung geschieht in einer üchse aus Ochsenhorn mit einem Boden und beweglichem Deckel aus Rindsleder."
Herkunft: Afrika, Namibia
Datierung: vor 1905
Material: Schildkrötenpanzer, Glasperlen, Leder, Eisen
Masse: H 32 x B 6 x T 8,5 cm
Inventarnummer: VK C
3296
Provenienz:
- 05.1946: Gustav Jacobs, Ankauf
- Kulturmuseum St. Gallen