Ethnologie / Federschmuck-Kopfschmuck eines Häuptlings

Federschmuck-Kopfschmuck eines Häuptlings

Manchmal vergehen mehr als 100 Jahre, bis sich der Wissensstand zu einem Objekt erweitert. Der Federschmuck der Wachiperi, der 1885 durch eine Schenkung des St. Galler Kaufmanns Oscar Zollikofer (1857-1938) in unsere Sammlung gelangte, ist ein Beispiel. Trotz der fragilen Materialien ist sein Erhaltungszustand sehr gut. Das ab etwa 1905 geführte Inventarbuch gibt keine Herkunft an, hier heisst es nur: «Kopfschmuck, Häuptling der Chunchos». Letzteres ist eine spanische Bezeichnung für «wilde Indianer». Erst die akribischen Nachforschungen des Ethnologen Andreas Schlothauer haben in den vergangenen Jahren Licht in die Herkunft des Stücks gebracht. In seinen Untersuchungen kommt er zum Ergebnis, dass es von den Wachiperi (früher Huachipaeri) hergestellt wurde. Die Latorre-Expedition hatte 1873/74 den Auftrag, von Cuzco aus auf dem Landweg den Fluss Madre de Dios beziehungsweise den Amazonas zu erreichen. Dabei traf die Expedition auch auf eine Gruppe von Wachiperi, was sogar fotografisch festgehalten wurde. Auf einem der Fotos ist der Federschmuck erkennbar. Zollikofer ist persönlich wohl nie einem Wachiperi begegnet und erhielt das Stück, gemeinsam mit weiteren Objekten, vermutlich von Hermann Göhring, einem deutschen Landvermesser, der an der Expedition teilnahm und später noch mehrmals in das Gebiet zurückkehrte. Derzeit sind nur fünf Wachiperi-Kopfhauben bekannt: je eine in Berlin und Braunschweig und drei in St. Gallen. Es sind die letzten ihrer Art und damit einzigartiges Kulturerbe der wenigen hundert Wachiperi, die heute in der Provinz Paucartambo, in der Gemeinde Quero am gleichnamigen Fluss in der Region Cusco leben. as

Herkunft: Amerika, Südamerika, Peru, Cuzco
Datierung: vor 1885
Material: Federn blau und gelb Ara Ararauna, rot Ara Macao, gelbgrün Ara chloroptera, Liane, Palmblatt- und andere Pflanzenfasern
Inventarnummer: VK D 0169

Provenienz:
- 08.08.1885: Oscar Zollikofer (24.01.1857-11.10.1938), Schenkung
- Kulturmuseum St. Gallen

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