Geschichte / Doppeldukaten der Stadt St.Gallen, St. Galler Münze
Dieses edle Stück ist nicht nur eine der ersten Goldmünzen der Stadt St.Gallen, die mit einem eigens dafür hergestellten Stempel geprägt wurden. Mit seinem gestochen scharfen Bild erzählt es auch von einer neuen technischen Erfindung. Wurden die Münzen früher von Hand mit einem Münzeisen beziehungsweise Stempel und einem Hammer oft wenig sorgfältig ins Metall geschlagen, kam hier ein neuartiges, mechanisches Walzprägewerk zum Einsatz. Dafür wurde 1618 die Münzstätte beim Marktplatz (heute Uniongebäude) umgebaut und vor dem Müllertor eine mit Wasserkraft angetriebene Metallwalze, die «Münzmüli», eingerichtet. Auf die Walzen wurden die Münzbilder graviert, anschliessend Metallstreifen durchgeschoben und bedruckt, deshalb auch der Übername «Münztruke». Dynamisch schreitet der Bär nach links, mit langen kräftigen Krallen und zotteligem Fell. Stolz trägt er sein breites, verziertes Halsband – eine Wappenspezialität, die auf Kaiser Friedrich III. und das Jahr 1475 zurückgeht. Sie war ein Zeichen seines Danks für die Unterstützung der St.Galler Truppen gegen Karl den Kühnen bei der Belagerung von Neuss. Auf dem Weg der Stadt zur Unabhängigkeit von der Abtei spielte auch das Münzrecht eine Rolle. 1514 erlaubte König Sigismund der Stadt, Kleingeld zu prägen, nachdem die Münzstätte schon 1407 eingerichtet worden war. Im Freiheitsbrief von Kaiser Maximilian I. kamen im Jahr 1500 dann grössere und kleinere Silbermünzen hinzu. Unser Museum besitzt mit über 1000 Münzen die grösste Sammlung von Prägungen der Stadt St.Gallen. Dies ist verschiedenen Initiativen zu verdanken: 1882 konnte die Sammlung von August Nef, Bürgerratspräsident von 1860 bis 1882, erworben werden; 1918 kam der Nachlass von Theodor Schlatter hinzu, und 1955 ersteigerte das Museum weitere Stücke aus der Sammlung des St.Galler Textilindustriellen Arnold Mettler-Specker. mm
Herkunft: Europa, Schweiz, St. Gallen
Datierung: 1621
Material: Gold
Masse: DM 27 cm
Inventarnummer: G 0134
Provenienz:
- 1888: August Näf (02.06.1806-26.09.1887), Schenkung
- Kulturmuseum St. Gallen