Geschichte / Altar- oder Wandbehang mit Bildstickerei aus dem Marienleben, Tapisserie
Auszug aus altem Museumsführer von Johannes Egli, 1928: Darstellung der Empfängnis Mariae nach der Symbolik des Hohen Liedes. Auf blumigem Rasen ist ein von hoher Mauer umschlossener Garten (Hohes Lied IV 12) zu sehen und darin die Jungfrau, die, das Haupt von dem mit 12 Sternen bekränzten Nimbus umgeben (Geh. Offenb. XII, 1), das Einhorn in ihrem Schosse empfängt. Rechts folgt ihm der Engel Gabriel als Jäger mit dem Hifthorn und einer Koppel von drei Jagdhunden, die als Caritas, Veritas und Humilitas (Barmherzigkeit, Wahrheit und Demut) bezeichnet sind. Rechts erblicken wir die goldene Pforte, durch die ein Engel schreitet, links in entsprechender Stellung den Turm Davids (Hoh. Lied IV, 4) mit davor stehendem Engel. Als weitere Symbole finden sich der versiegelte Brunnen (Hoh. Lied IV, 12), das goldene Haus, die Arche Noahs mit Andeutung der Sintflut (Offenb. XI, 19). Unter der auf Wolken thronenden Dreifaltigkeit lesen wir auf einer Bandrolle die Worte: Tota pulchra es, amica, et macula non est in te (Du bist ganz schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir, Hoh. Lied IV, 7). Links und rechts vom Dreifaltigkeitsbilde sind je zwei Engel mit Blumen und symbolischen Zeichen (Stern, Spiegel) zu sehen.
Herkunft: Europa, Schweiz, Luzern
Datierung: 1614
Material: Bildstickerei (Gobelintechnik) mit Wolle, Seide und Goldlahn auf Stramingeweben aus Leinen
Masse: H 86,5 x B 267 cm
Inventarnummer: G 2008.406
Provenienz:
- Herr Eisenring, Händler/in, Ankauf, Privatbesitz Kt. Luzern
- 02.05.1879: Historischer Verein des Kantons St. Gallen (Museumssammlung), Ankauf
- 16.10.1917: Kulturmuseum St. Gallen, Schenkung