Geschichte / Damenkleid, Mantelkleid
Langes, tailliertes Mantelkleid mit Schleppe, Stehkragen und 3/4-langen Pagodenärmeln. Unter diesen schauen helle Spitzenmanschetten hervor. Das Revers ist Ton-in-Ton mit Posamenten verziert. Unter dem Mantel ist ein Unterkleid angedeutet, das jedoch nur aus einer schmalen Vorderseite besteht, die am Mantel angenäht ist. Der Stoff ist am Stehkragen und über dem Dekolleté in Falten gelegt. Zur Taille fliesst er wasserfallartig und mündet in eine Stoffblüte mit zwei Schärpen. Das Rockteil ist ebenfalls in Falten gelegt. Das Umstandskleid ist eine Seltenheit. Damit war die schwangere Frau etwa bis zum 6. Monat gut angezogen. Die Falten des Unterkleids und der wasserfallartige Schal kaschierten das Bäuchlein. Durch die Falten wuchs es mit, für die schlanke Taille hatte es innen ein Taillenband. Damals waren Frauen oft schwanger; die Mode fand Wege, dies zu verbergen. Die Gesellschaft in jener Zeit war sehr prüde und die Mode in der Regel eher schwangerschaftsfeindlich, ausser nach Kriegen, wie etwa nach dem Sezessionskrieg 1861-1865 in den USA. Damals rückte die Taille nach oben und der Rock wurde vorne gebauscht und voluminöser. Das wurde auch in Europa übernommen.
Datierung: 1890er
Material: Samt, Satin
Inventarnummer: G 1981.043
Provenienz:
- 1981: Schweizerische Textilfachschule St.Gallen STF, Dauerleihgabe
- Kulturmuseum St. Gallen